Die Internationale Energieagentur (IEA) hat in ihrem Ölmarktbericht für September 2026 eine deutliche Anpassung der globalen Marktdaten vorgenommen. Während die Nachfrageprognose aufgrund extrem hoher Kraftstoffpreise revidiert wurde, bricht das weltweite Ölangebot noch drastischer ein. Für Privatanleger entstehen in diesem Marktumfeld sowohl konkrete Chancen bei Energieaktien als auch makroökonomische Risiken.
Nachfragerückgang trifft auf historischen Angebotseinbruch
In ihrem aktuellen Bericht prognostiziert die IEA für das Jahr 2026 einen Rückgang der weltweiten Ölnachfrage um 2,5 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 102,45 mb/d. Im August-Bericht war noch von einem Minus von 1,6 mb/d die Rede gewesen. Hauptgrund für die verhaltene Nachfrage ist jedoch kein rein konjunktureller Einbruch, sondern eine sogenannte Nachfragedestruktion infolge extrem hoher Treibstoffpreise, insbesondere bei Diesel. Dem steht ein noch drastischerer Rückgang des weltweiten Ölangebots gegenüber: Dieses fällt laut IEA um 5,7 mb/d auf durchschnittlich 100,7 mb/d. Ursache sind anhaltende Produktions- und Transitunterbrechungen im Nahen Osten, wo weiterhin über 10 mb/d an Kapazitäten blockiert sind.
Lagerbestände schrumpfen: Engpässe bei raffinierten Produkten
Aus dem Auseinanderdriften von Angebot (100,7 mb/d) und Nachfrage (102,45 mb/d) ergibt sich ein akutes physisches Versorgungsdefizit auf den Weltmärkten. Die weltweiten Ölreserven schrumpften allein im August um 95 Millionen Barrel (-3,1 mb/d) und fielen auf den niedrigsten Stand seit 2023. Seit Beginn der geopolitischen Krise summiert sich der Abbau der Lagerbestände auf 507 Millionen Barrel. Während der Rohölpreis für die Sorte Brent im Bereich von 104 bis 105 US-Dollar pro Barrel handelt, geraten vor allem weiterverarbeitete Produkte unter Druck. So stiegen die US-Dieselpreise zeitweise auf über 200 US-Dollar pro Barrel, was die Raffineriemargen im Atlantikbecken auf Rekordniveaus trieb.